AFRIKA/NIGERIA - Vorsitzender der Bischofskonferenz: „Die Unsicherheit betrifft alle Nigerianer, nicht nur Christen“

Donnerstag, 12 März 2026

Abuja (Fides) – „Die Unsicherheit betrifft alle Nigerianer, nicht nur Christen“, betont der Vorsitzende der nigerianischen Bischofskonferenz (CBCN), Erzbischof Matthew Man’oso Ndagoso von Kaduna, im Interview mit Fides.

Die Erzdiözese Kaduna war in den letzten Monaten besonders von Massenentführungen betroffen (vgl. Fides 12/02/2026), doch ganze Gebiete Nigerias leiden schon lange unter Unsicherheit. Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür?

Die Gewalt hat mehrere Ursachen, von mangelnder Bildung über Landkonflikte zwischen Bauern und Viehzüchtern bis hin zu weit verbreiteter Armut, die viele in den Beitritt zu kriminellen Banden treibt. Dies zeigt sich besonders deutlich in den häufigen Entführungen gegen Lösegeld. Es handelt sich um ein rein kriminelles Phänomen, das keine Unterschiede macht: Jeder kann Opfer dieser Banden werden. Zusätzlich muss berücksichtigt werden, dass es in Nigeria mehrere Gebiete gibt, in denen die Regierung nicht präsent ist. Daher können nichtstaatliche Akteure diese Gebiete leicht unter ihre Kontrolle bringen und als Basen für Angriffe auf andere Regionen nutzen.

Daher betrifft Gewalt jeden Menschen unabhängig von seiner Religionszugehörigkeit…

Das Problem der Unsicherheit in Nigeria ist komplex, insbesondere im Norden des Landes. Geografische Faktoren spielen dabei eine bedeutende Rolle. In Gebieten mit überwiegend christlicher Bevölkerung, wie beispielsweise im Middle Belt, sind Christen am stärksten von der Gewalt bewaffneter Banden oder Dschihadisten betroffen. Umgekehrt sind in Gebieten mit muslimischer Mehrheit, wie im Nordosten, Muslime am stärksten von Gewalt betroffen. Daher betrifft die weit verbreitete Unsicherheit nicht nur Christen, sondern auch Muslime.

Welche Auswirkungen hat diese Situation auf den Alltag der Kirche?

In den unsichersten Gebieten ist das alltägliche Leben der Kirche stark beeinträchtigt. In meiner Diözese Kaduna beispielsweise sind zahlreiche Missionsstationen außer Betrieb, da sich die Seelsorger – Priester, Ordensleute und Katecheten – nicht frei und sicher bewegen können.
Die Kirche existiert nicht getrennt vom Rest der Gesellschaft. Daher ist ihr Alltag in den am stärksten von Unsicherheit betroffenen Gebieten, wie die übrige Bevölkerung, von dieser Situation geprägt.

Die US-Regierung hat Nigeria kürzlich aufgrund der Christenverfolgung als "Country of Particular Concern“ (CPC) eingestuft. Was halten Sie davon?

Nigeria ist ein Land, das uns Sorge bereitet, da die christliche Minderheit im Norden vielfältiger Diskriminierung ausgesetzt ist. Insbesondere im Nordosten stoßen Christen auf Einschränkungen wenn es um die Besetzung bestimmter Arbeitsplätze geht, aber auch beim Erwerb von Land zum Bau von Kirchn gibt es erhebliche Beschränkungen, während überwiegend christliche Gebiete im Allgemeinen systematisch vernachlässigt werden. Daher lässt sich sagen, dass es in diesen Gebieten des Nordens Formen der Christenverfolgung gibt, jedoch nicht in ganz Nigeria.

Ergreift die nigerianische Regierung Ihrer Meinung nach ausreichende Maßnahmen zur Bekämpfung der Unsicherheit?

Letzten Monat kündigte die Bundesregierung an, Mittel zur Stärkung ihrer Sicherheitskräfte bereitgestellt zu haben. Wir sind jedoch der Ansicht, dass die Regierung mehr für die Sicherheit der Nigerianer tun kann. Darüber hinaus hat das nigerianische Militär bereits erfolgreiche Sicherheits- und Friedensmissionen in anderen Ländern durchgeführt; es gibt also keinen Grund, warum es im eigenen Land nicht ebenso effektiv sein sollte.
(L.M) (Fides 12/3/2026)


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