St Claret Mission
Imphal (Fides) – „So wie die Lage derzeit vor Ort ist, ist eine Versöhnung in Manipur noch verfrüht. Soweit ich das beurteilen kann, gibt es noch immer Groll in den Herzen, viel Leid und psychische Traumata. Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Wunden geheilt sind und man wieder von Dialog sprechen kann“, sagt Pater Marcus Thangminlun, ein Priester der Claretiner-Missionare, der erst vor kurzem in der Claretinergemeinschaft von Manipur geweiht wurde, im Gespräch mit der Fides. Pater Thangminlun ist der erste Claretinerpriester der Kuki-Zo-Gemeinschaft. Die Claretiner sind in verschiedenen Bundesstaaten im Nordosten Indiens präsent und seit 2023 in einer Ordensprovinz organisiert. Sie erfüllen ihre Mission in Pfarreien und Schulen, während im Bundesstaat Manipur noch immer die Folgen der interethnischen Gewalt zu spüren sind, die im Mai 2023 zwischen den Gruppen der Meitei und Kuki-zo ausgebrochen war.
„Die Gesellschaft des Bundesstaates ist nach wie vor von Traumata und Spaltungen geprägt: Die Gruppen der Kuki und Meitei sind streng voneinander getrennt, und im Bundesstaat gibt es auch die Naga, die Teil einer Gesellschaft sind, die in den Konflikt verwickelt und durch ihn zerrissen wurde. Die Kuki-Zo fordern einen autonomen Staat, die anderen Gruppen sind damit nicht einverstanden. Heute ist es sehr schwierig, von einem Zusammenleben zu sprechen“, stellt er fest.
Pater Marcus, der aus Manipur stammt und in dieser komplexen Situation als Priester tätig ist, betont: „Als Priester spreche ich über Frieden und versuche, sowohl unter den einfachen Menschen als auch unter den zivilen Führern ein Apostel des Friedens zu sein. Vor allem beten wir immer für den Frieden“.
Über die Mission der Claretiner in Manipur berichtet er: „Unser Charisma ist es, das Wort Gottes zu verkünden und auf die Zeichen der Zeit zu reagieren: Wir versuchen dies hier in Manipur, in einer zerrissenen Gesellschaft. Nur der Geist Gottes kann die Wunden heilen und eine Ära der Versöhnung bringen“.
Die Claretiner haben die „St. Claret Mission“ gegründet und drei Zentren für Vertriebene in drei ländlichen Distrikten von Manipur eröffnet: „Wir helfen den Menschen, wir haben Schulen in den Pfarreien gegründet, um den Bedürfnissen der Vertriebenen gerecht zu werden. Es handelt sich um Binnenvertriebene, die vor allem aus der Hauptstadt Imphal gekommen sind und nicht in ihre Häuser und ihr Leben vor dem Konflikt zurückkehren können. In einigen Fällen wurden ihre Häuser und ihr Eigentum zerstört. Heute sind sie allein und haben keine Mittel zum Überleben, sie haben keine Schulen. Unter meinen Mitbrüdern widmen sich vier Claretiner diesen Menschen und bringen ihnen Trost und konkrete Hilfe.“
„Einige Vertriebene“, erinnert er sich, „haben dank der Hilfe der Diözese Imphal ein kleines Haus gefunden, in dem sie Unterkunft gefunden haben. Viele andere haben nichts, sie leben in völliger Armut. Die soziale und politische Lage ist festgefahren, und es gibt keine einfachen Auswege. Wir hoffen auf den guten Willen aller“.
In Manipur kam es im Mai 2023 zu Gewaltausbrüchen zwischen den Stämmen der Meitei (53 % der 3,2 Millionen Einwohner des Bundesstaates) und den Kuki-Zo (etwa 16 % der Bevölkerung). In diesem Bundesstaat leben zudem verschiedene Naga-Ethnien neben anderen Minderheiten.
Über 60.000 Menschen sind vertrieben worden, und die verschiedenen ethnischen Gruppen sind in streng voneinander getrennten Gebieten isoliert. Die Stammesgruppen haben die Teilung des Bundesstaates und eine separate Verwaltung für die Gebiete mit Stammesmehrheit gefordert, aber die Meitei lehnen dies ab, und auch die Zentral- und die Bundesregierung haben dieser Forderung bisher nicht zugestimmt.
Seit dem 13. Februar 2025 steht Manipur unter der direkten Präsidialregierung von Neu-Delhi, während die Bildung einer Regierung geprüft wird, der Mitglieder der Kuki, Meitei und Naga angehören könnten. Beobachtern zufolge werden in diesen Wochen die Konsultationen zur Bildung einer „Volksregierung” in Manipur intensiviert. Die Kuki-Zo-Gruppen wollen schriftliche Garantien für eine politische Einigung, während derzeit Treffen mit verschiedenen Gruppen und Führern des Bundesstaates und der Bundesregierung stattfinden. Es wird angestrebt, bis Februar 2026 eine Regierung in Manipur zu bilden.
(PA) (Fides 19/1/2026)