ASIEN/LIBANON - Patriarch Raï: Der Libanon muss Neutralität wahren und Beteiligung am israelisch-palästinensischen Konflikt vermeiden

Montag, 17 Mai 2021 mittlerer osten   ostkirchen     waffen   flüchtlinge  

Bkerké (Fides) - Die Gewalt der Palästinenser "schnürt unsere Kehle zu", doch nur eine authentische und endgültige Lösung der Palästinenserfrage könne Gewalt und Tod "nach 73 Jahren Kriegen, Verwüstung und israelischer Unterdrückung" stoppen. Der Libanon müsse jedoch "friedliche Wege" finden, um seine Solidarität mit dem palästinensischen Volk zu demonstrieren, seine Neutralität gegenüber dem bewaffneten Konflikt aufrechtzuerhalten und jegliche militärische Beteiligung zu vermeiden.
Zur Wahrung der libanesischen Neutralität angesichts der Spirale der Gewalt, die das Heilige Land umgibt, rief der maronitischen Patriarchen Béchara Boutros Raï, am Sonntag, dem 16. Mai, in seiner Predigt beim Gottesdienst im Patriarchat in Bkerké auf. Im Detail forderte der Patriarch die libanesischen Behörden auf, die israelisch-libanesische Grenze unter strenger Kontrolle zu halten, um zu verhindern, dass das libanesische Territorium zu einem Standort für das "Abfeuern von Raketen" auf israelisches Territorium wird. "Einige", fügte der Primas der maronitischen Kirche hinzu und spielte auf die schiitische Hisbollah-Partei an, ohne dies ausdrücklich zu erwähnen, „sind direkt oder über Hilfsgruppen in das Geschehen involviert und setzen den Libanon der Gefahr von neuen Kriegen aus", aber das libanesische Volk "hat keine Absicht, das eigene Land noch mehr zu zerstören, als es bereits am Boden zerstört ist“, auch wenn man bedenkt, dass„ die Libanesen bereits genug für diese außer Kontrolle geratenen Konflikte bezahlt haben“. Während der Predigt bekräftigte Patriarch Raï auch, dass seiner Ansicht nach die einzige Möglichkeit, die arabisch-israelischen Konflikte zu beenden, in der tatsächlichen Anerkennung des unabhängigen und souveränen palästinensischen Staates durch Israel besteht.
Die Flucht palästinensischer Flüchtlinge in den Libanon begann 1948, dem Geburtsjahr des Staates Israel. Nach Angaben der Vereinten Nationen leben derzeit immer noch 300.000 palästinensische Flüchtlinge im Land, die in 12 Flüchtlingscamps untergebracht sind, in denen sie häufig unter extremen Armutsbedingungen leben.
Am Donnerstag berichteten israelische Militärquellen über drei Raketen, die aus dem Libanon auf israelischem Territorium abgefeuert wurden. In den letzten Tagen fanden in der Nähe der israelisch-libanesischen Grenze mehrere pro-palästinensische Demonstrationen statt, bei denen Demonstranten versuchten, Molotow-Cocktails auf israelische Militärposten zu werfen. Die israelische Armee reagierte mit Tränengas und Kugeln, was am Freitag, dem 14. Mai, zum Tod eines 21-jährigen libanesischen Demonstranten führte.
(GV) (Fides 17/5/2021)


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