ASIEN/NAHER OSTEN - Pater Jacques Mourad zum Papstbesuch im Irak: „Der Papst bringt Jesus zu allen, nicht nur zu den Christen“

Donnerstag, 4 März 2021 mittlerer osten   ostkirchen     papst franziskus   flüchtlinge   dschihadisten   märtyrer    

Nabek (Fides) - „Wir müssen für diese Reise beten”, so Pater Jacques Mourad, ein syrisch-katholischer Mönch der Gemeinschaft Deir Mar Musa zum bevorstehenden Besuch von Papst Fraziksus im Irak , „Es ist nicht nur eine Reise zu den Christen von dort oder in ein einzelnes Land. Es ist eine Reise in den Nahen Osten. Wir beten, dass es allen - Sunniten, Schiiten und Christen - hilft, im Dialog aufrichtig zu sein”. Pater Mourad, ein Mitglied römischen Jesuiten Paolo Dall'Oglio gegründeten Klostergemeinschaft und wurde 2015 von dschihadistischen Milizen des selbsternannten Islamischen Staates (IS) entführt, die ihn viele Monate lang als Geisel gehalten hatten. Nach seiner Freilassung lebte er lange Zeit in Sulaymanyia in der irakischen Provinz Kurdistan und half vielen irakischen christlichen Flüchtlingen half, die angesichts des Vormarsches des IS auf Qaraqosh und andere Städten der Ninive-Ebene geflohen waren. Seine spirituelle Weisheit als syrischer Mönch gibt wertvolle Einblicke, um die Bedeutung des bevorstehenden Papstbesuchs besser zu verstehen. „Papst Franziskus“, wiederholt Pater Jacques im Gespräch mit Fides, „kommt, um Jesus zu bringen. Er bringt Jesus zu allen, nicht nur zu Christen. Jesus ist für alle, nicht nur für Christen. Und der Papst bringt allen die Liebe Jesu zu allen. Jeder kann Jesus lieben und seine bedingunslose und maßlose Liebe erfahren. Jeder hat den Wunsch nach Christus in seinen Herzen.“
Am Kontext der schwierigen Lage im Irak, wo Sektierertum das Feuer der Gewalt und der Ablehnung befeuert, kann laut Pater Jacques das Wunder der Versöhnung auch ausgehend vom Martyrium gedeihen, das den Weg dieser Kirchen kennzeichnet: "Ich hoffe", so Pater Mourad „Dass der Papst in die Krypta der Marienkirche in Bagdad, der Kirche des Massakers, hinuntergeht. Ich hoffe, dass er dort dem Blut der Märtyrer Tribut zollen kann, aber auch an die Mörder denkt. Ausgehend von ihrem Blut, aus dem Blut der Märtyrer, muss man sich darum bemühen, dass entstehende Emotionen kein Vorwand sind, um Wunden wieder zu öffnen, sondern auch die Mörder mit einzuschließen und allen in Anbetracht ihrer Herrlichkeit, der Herrlichkeit von Märtyrern, die Vergebung anbieten. Dies ist das Wunder, das geschehen kann und um das wir beten im Licht der Herrlichkeit Christi, das von in ihnen ausggeht. Dies ist das Wunder, das viele Wege wieder ebnen könnte. Es könnte den Wunsch nach Frieden hervorrufen, den Menschen inmitten von Wunden und Schmerzen empfinden ."
Der Besuch von Papst Franziskus im Irak ist für Pater Mourad auch eine einmalige Gelegenheit, die einzigartige Berufung der einheimischen christlichen Gemeinden im Nahen Osten hervorzuheben: „Die Mission der Kirchen in unseren Ländern“, so der syrische Mönch, „Es ist ihr Leben in Demut und Armut inmitten von Muslimen. Auf diese Weise pflegen wir auch die Erwartung, dass Jesus in den Muslimen gegenwärtig ist. Ohne diese Mission ist die Anwesenheit von Christen im Nahen Osten möglicherweise nicht sinnvoll. Alles wird für Christen und auch für andere schwierig, wenn Christen die Hoffnung Christi nicht bezeugen“. Pater Mourad hält politische, wirtschaftliche oder geopolitische Unterstützung nicht für unverzichtbaren, wenn es darum geht, den Aufenthalt einheimischer Christ in den Gemeinden im Nahen Osten zu ermöglichen: „Die einzige Stärke der Christen“, wiederholt Pater Jacques gegenüberFides, „besteht darin, die Liebe Jesu und keine andere Liebe zu leben, auch bis zum Kreuz. Und irakische Christen haben in all den Jahren der Kriege ihr christliches Zeugnis bereits auf außergewöhnliche Weise gelebt und leben es auch weiterhin. Daher haben diejenigen, die auf diese Weise am Geheimnis Christi teilgenommen haben, keine anderen Interessen, sie haben keine anderen Worte hinzuzufügen. In ihrem Alltag leben sie die Spiritualität des Kreuzes Jesu, die wir bei unserer Taufe empfangen haben“.
Gerade angesichts dieser Teilnahme am Geheimnis der Erlösung erscheint der Aufruf zur Geschwisterelichkeit, die Papst Franziskus als Motto für seine Irak-Reise gewählt hat, nicht nur Ausdruck eines vagen Idealismus: "Besonders für uns im Nahen Osten", bemerkt Pater Jacques "konzentriert sich im Begriff der Brüderlichkeit die gesamte christliche Theologie, die wir brauchen, um nicht nur jeden Tag zu leben, sondern auch um unseren Glauben zu bezeugen. Wenn wir Christen unsere Berufung zum Zeugnis verlieren, verlieren wir auch das Gefühl dafür, dass wir hier in den Ländern des Nahen Ostens zusammen mit unseren Brüdern und Schwestern leben. Jesus wurde dafür Mensch, und für diejenigen, die er liebt, ist alles möglich. Er kam, um uns zu sagen, dass Gott die Quelle unseres Lebens ist und wir Menschen Gottes Volk sind. Stattdessen wird diese Berufung aller Menschen, sich als Brüder und Schwestern zu betrachten oft geleugnet, wenn ein Land und ein Volk Gewalt und Krieg ausgesetzt sind. Und dies ist das Werk des Teufels, der das zerstören will, was Gott liebt. “
(GV) (Fides 4/3/2021)


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