ASIEN/LIBANON - Tag der Unabhängigkeit: Partriarch Raï bekräftigt Konzept der Neutralität des Landes

Montag, 23 November 2020 mittlerer osten   ostkirchen   geopolitik   sektierertum    

Patriarcato maronita

Bkerké (Fides) - Die Unabhängigkeit des Libanon bedeute nicht nur das Ende des französischen Protektorats, sondern markiere "den Ausstieg des Landes aus der Politik der Achsen und den Beginn seiner Neutralität". Auch heute gelte, in der gegenwärtigen politischen und sozialen Krise, die das Land, dass die Unabhängigkeit des Libanon und auch seine Wirtschaft im Laufe der Geschichte gewachsen seien, in denen das Land sich mehr und mehr für den Weg der Neutralität entschieden hat. Während es sich stets negativ auf das libanesische Volk ausgewirkt habe, wenn die politischen Eliten, sie auf eine Seite der geopolitischen Kräfte eingelassen haben, die sich im Nahen Osten seit Jahrzehnten gegenüberstehen.
Mit diesem erneuten Aufruf zur Bekräftigung der "libanesischen Neutralität", bezog sich der maronitische Patriarch Béchara Boutros Raï in seiner Predigt am gestrigen Sonntag auf die Feierlichkeiten zum 77. Jahrestag der Verkündigung der libanesischen Unabhängigkeit. Der Nationalfeiertag fand dieses Jahr aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ohne Militärparaden und öffentliche Veranstaltungen statt.
Der Libanon ist seit mehr als drei Monate ohne Regierung, nachdem Ministerpräsident Hassan Diab nach der verheerenden Explosionen am 4. August im Hafen von Beirut zurückgetreten war. Die Verhandlungen über die Bildung einer neuen Regierung, stehen wegen verschiedener Vetos der politischen Parteien und Uneinigkeiten zwischen dem designierten Ministerpräsidenten, dem sunnitischen Muslim Saad Hariri und dem christlichen Staatsoberhaupt Hinblick auf den Mechanismus zur Ernennung der Minister, still.
Die Lähmung der Politik aufgrund von Parteiinteressen, so der Patriarch in seiner Predigt, habe "Korruption und Verschwendung staatlicher Gelder“ gefördert und „das Land zum Bankrott und Zusammenbruch" verurteilt. Dies sei ein Verrat an der Verfassung des Landes, so der libanesischen Kardinal. Die Verfassung sei erarbeitet worden, um ein interreligiöses Zusammenleben, eine konfessionelle Verständigung und eine gleichberechtigte Beteiligung an der Machtverwaltung zwischen Christen und Muslimen zu gewährleisten, während sich heute die institutionelle Strukturen als ausschließliche Vertreter der verschiedenen Konfessionsgemeinschaften darstellten und auf der Grundlage dieser missverständlichen Auslegung mit ihren Vetos das nationale Leben blockierten, mit dem Ziel die Macht an sich zu reißen.
Die Gründe für die Bekräftigung einer "aktiven Neutralität" wurden von Patriarch Raï auch im "Memorandum für den Libanon“ dargelegt, das Mitte Augst veröffentlicht wurde (siehe Fides 17/8/2020).
(GV) (Fides 23/11/2020)


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