ASIEN - Corona-Pandemie und Migration

Dienstag, 9 Juni 2020 migranten   solidarietät     menschenwürde   menschenrechte  

Bangok (Fides) - Das Leiden von Migranten, die neben der Entfernung zu Familien häufig die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft ertragen müssen, hat sich in ganz Ostasien, im Süden und im Norden, während der Corona-Pandemie vervielfacht und paradoxerweise insbesondere in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern wie z Singapur, Malaysia, Thailand und Südkorea.
In Malaysia und Singapur wurde das Problem zunächst ignoriert, um Migranten dann in Einrichtungen unterzubringen, die eine Infektion begünstigten. Der Stadtstaat, in dem fast eineinhalb Millionen Wanderarbeiter beschäftigt sind, “islolierte“ etwa 300.000 Migranten in etwa vierzig Unterkünften mit 10 oder 20 Personen pro Schlafsaal. Der Fall mit 25.000 positiv getesteten Migranten wurde im April bannt. Anfang Mai brachte Malaysia viele Migranten im Rahmen von gewalttätigen Polizeieinsätzen ins Gefängnis und übte Druck auf Journalisten aus, die davon berichten wollten. Es gibt dort rund 5,5 Millionen Migranten, von denen mehr als die Hälfte ohne Papiere sind.
Auch Thailand behandelte Tausenden von illegalen Arbeitern hart und brachte sie in speziellen Haftanstalten unter, wenn festgestellt wurde, dass ihre Dokumente abgelaufen sind oder sie keine besitzen: in Unterkünften, die jeweils für 500 Menschen ausgelegt waren, lebten unter unmenschlichen Bedingungen mehr als doppelt so viele. Unter ihnen auch Rohingya, illegale Einwanderer aus Nachbarländern und eine große Gruppe pakistanischer Christen, die aus ihrem Land wegen Gewalt oder Diskriminierung geflohen sind: diese Menschen befinden sich nicht nur auf der Suche nach Arbeit sondern suchen oft auch Schutz vor Lebensgefahr.
In Südkorea ließ die Regierung gezielt nach Migranten ohne Papiere suchen und musse feststellen, dass sie oft in überfüllten Unterkünften ohne angemessene hygienische Versorgung leben, was neue Covid-19-Ausbrüche begünstigt. Viele der nicht registrierten Migranten meldeten sich aus Angst vor Ausweisung nicht.. Laut Premierminister Chung Sye-kyun sollten die rund 380.000 Migranten, die sich illegal im Land aufhalten, Hilfe und medizinische Behandlung erhalten und nicht abgeschoben werden. "Wenn wir illegale Einwanderer unterdrücken, werden sie sich verstecken, was uns in eine Sackgasse führen könnte", betonte er und fügte hinzu, dass die für sie konzipierten Maßnahmen eher auf "Quarantäne" als auf "Einwanderungskontrolle" ausgerichtet sein sollten.
In den weniger entwickelten Ländern ist vor allem die Rückkehr der asiatischer Migranten in ihre Heimat und die Situation von Vertriebenen problematisch: Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen versorgt Menschen, die von Konflikten, Gewalt und Naturkatastrophen betroffen sind, Nahrungsmitteln und finanzieller Unterstützung und hat betreut derzeit allein in Myanmar 245.000 Binnenflüchtlinge, die vor Konflikten in den birmanischen Bundesstaaten Chin, Kachin, Shan und Rakhine als Ziel fliehen mussten. Das WFP unterstützt auch Migranten, die in ihre Länder zurückkehren wollen: Schätzungen zufolge sind es rund drei Millionen, die sich in Asien teilweise auf dem Heimweg befinden.
In Vietnam wird das Phänomen der Wanderarbeiter zum Problem: In Großstädten wie Ho-Chi-Minh-Stadt strömen unzählige Menschen aus den Dörfern auf dder Suche nach Gelegenheitsjobs, die jedoch meist unterbezahlt sind, in die Stadt. Eine vom Arbeitsministerium durchgeführte Umfrage zeigt, dass die Mehrheit von ihnen zwischen 18 und 35 Jahre alt ist und dass sechs von zehn Frauen sind. Die Umfrage ergab, dass 65% der Arbeitnehmer ungelernte Arbeitskräfte sind, die nur gelegentlich arbeiten und sich in gefährliche Situationen begeben. Viele dieser internen Migranten haben keinen regulären Arbeitsvertrag und daher keine Sozial- oder Krankenversicherung.
(Fides) (MG-PA 9/6/2020)


Teilen: